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Monatsarchive: November 2013

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Grenzgänger präsentieren alte Kinderlieder

Von
 

1068678_1_teasersmallnocrop_5299180d94a24Berne. „Dunkel wars, der Mond schien helle“ – welcher Erwachsene kennt den lustigen Reim nicht noch aus Kindertagen? Aber so hatten ihn die mehr als 40 Gäste, die am Donnerstagabend zum Konzert der Gruppe Grenzgänger in die Kulturmühle gekommen waren, vermutlich noch nie gehört: mit Instrumenten vertont und gesungen. Das vielseitige Quartett riss sein Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin.

 

„Ich bin froh, dass ich gekommen bin“, sagte eine Besucherin am Ende begeistert. „Unglaublich“, „wunderschön“ und „eine runde Sache“ waren weitere Vokabeln, mit denen sie das Konzert der Grenzgänger beschrieb. Die Bremer Musiker holten lang vergessene deutsche Kinderlieder aus alten Liederbüchern und entstaubten sie mit viel Liebe zum Detail.

Rhythmisch bewegen sie sich zwischen Blues und Folkmusik bis hin zum Rap. Als Hommage an ihre Heimatstadt Bremen haben die Grenzgänger den Stadtmusikanten ein selbst verfasstes Lied gewidmet. Obwohl Michael Zachcials, Jörg Fröses, Annette Rettich und Felix Kroll in der Kulturmühle mehr als 120 Minuten Gedichte und Lieder darboten, hatten viele Besucher das Gefühl, gerade erst gekommen zu sein, als das Konzert gegen 22.30 Uhr endete.

Den furiosen Abschluss bildete das Kinderlied von der Oma, die im Hühnerstall Motorrad fährt. Zu diesem Zeitpunkt war aus dem Quartett längst ein vielstimmiger Chor geworden. Und der ein oder andere Zuhörer dürfte auf dem Heimweg noch lange in Kindheitserinnerungen geschwelgt haben.

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    Lesung von berührend bis witzig

    Von
     

    BRAKE_BERNE_LEMWERDER_1_a5051426-cfad-4506-b448-9de0492032dd--373x337Berne „Elvis lebt!“ – Elvis lebt tatsächlich, und zwar als Kater in Berne. Britta Bartelds, die in Zusammenarbeit mit einem Tierschutzverein eine Pflegestation für hilflose Katzen betreibt, verlas seine Geschichte mit spürbarer Emphase. Das sichtlich bewegte Publikum lernte, dass Elvis, ein schwer kranker Fundkater, eigentlich ein hoffnungsloser Fall, dank intensiver Zuwendung der Autorin tatsächlich überlebt hat – nur eine von vielen Lesungen am Wochenende in der Kulturmühle.

    „Manche schlafen ein mit der Katze“, das neue „Lesebuch für die Wesermarsch“ wurde hier vorgestellt. Neben Bartelds stellten 16 weitere Autoren ihre Texte vor, darunter Edelhard Callies, Udo Hilfers von der Storchenstation, Pamela Krzenzissa und (vermittels eines Lesepaten) Ollivia Moore aus Berne. Aus Brake lasen Jutta Altmann-Brewe, Dr. Johan Altmann, Ulla Frost und Bodo Knischewski, aus Bremen Ekkehard Scheufler, aus Elsfleth Edith Koschnick, Jürgen Töllner und Ulrike Wieters-Wilcke. Der erst 15-jährige Luzian Krautstein, Jade, bereits in der Vorwoche gewürdigt als „Bester Nachwuchsautor“ des Buches, war ebenfalls wieder mit von der Partie. Petra Schomaker und Christa Fehlhaber aus Stadland komplettierten den Wesermarsch-Reigen.

    Dörte Spiekermann, die Geschäftsführerin der LEB Wesermarsch, und Reinhard Rakow von den Berner Bücherwochen stellten in ihren Einführungen denn auch unisono die Schreib-Kreativität und -Begeisterung der Wesermarsch heraus. Das Publikum konnte sich davon dank der Vielfalt der vorgestellten Texte ein gutes Bild verschaffen: schräg und witzig (bei Petra Schomaker up Platt, oder bei Edelhard Callies) ging es da zu, liebevoll heiter bei Ekkehard Scheufler oder Christa Fehlhaber, berührend engagiert bei Udo Hilfers oder Britta Bartelds, nachdenklich bei Edith Koschnick oder ernst bei den Eheleuten Altmann-Brewe, die Aspekte des Tierschutzes verhandelten. Sprachgewalt und gedankliche Tiefe eines Luzian Krautstein ließen das Kulturmühlenpublikum staunen.

    Mit der Auszeichnung „Bester Beitrag“ und einem Preisgeld von jeweils 100 Euro bedacht wurden Scheuflers Text „Der Pastor dankt dem lieben Gott und seinem Hund“, eine süffig erzählte Erinnerung an die Hungerzeiten der 50er Jahre in Warfleth, und Koschnicks „Märchen, das keiner hören wollte“, eine allegorische Auseinandersetzung mit der Massengeflügelhaltung.

    Die Szene des Drei-Stunden-Abends, in dem bis zum Schluss gespannte Aufmerksamkeit herrschte, ereignete sich, nachdem Reinhard Rakow Edith Koschnick Auszeichnungs-Urkunde und einen Umschlag mit dem Preisgeld überreicht hatte. Die Preisträgerin zeigte sich von Britta Bartelds Engagement spontan so beeindruckt, dass sie ihr dieses Preisgeld als Spende für die Katzenpflegestation übergab.

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      Lachtherapie ohne Nebenwirkungen

      Von
       

      kuilturmühle berne john doyle 2--471x337Comedian John Doyle mit seinem Programm „Die Welt ist eine Bandscheibe“ in Berne

      Der amerikanische Komiker nimmt die Volkskrankheit „Rücken“ aufs Korn. Schmerzen verbinden und schaffen Freunde, hat er in seiner Wahlheimat festgestellt.

      Berne Die ganze Welt hat „Rücken“, Millionen Menschen zwackt es vom Nacken bis zum Steißbein. Millionen Menschen leiden still und heimlich, lassen sich bis zum letzten Atemzug multitherapieren.

      Einer, den die Zivilisationskrankheit heftig plagt, schickte sich in der rappelvollen Berner Kulturmühle an, die Geheimnisse für ein Überleben in einer Welt maroder Bandscheiben zu verraten. Der rückengeplagte Comedian John Doyle setzte eher zu einer Rundum-Lachtherapie zugunsten der Zuschauer an.

      Bei allen Erkenntnissen, für den gebürtigen Amerikaner aus New Jersey ist die Welt immer noch eine Scheibe, entwickelt über Jahrhunderte zu einer Bandscheibe.

      Schmerzen, so hat es Doyle in seiner Wahlheimat Deutsch­land beobach­tet, erfreuen sich einer vollendeten Integration. Schmerzen verbinden, fördern die Kontakte von Mensch zu Mensch, sind immer ein Gesprächsthema und machen Fremde zu Freunden.

      Noch hat „Rücken“ den Comedian nicht vollständig im Griff, aber er freut sich jetzt schon drauf. Beckenbodenübungen sollen bei Rückenbeschwerden sehr hilfreich sein, hat er erfahren, und die Übungen kann er auch schon.

      Auf seinem Schleuderkurs durch die Volkskrankheiten hat Doyle immer den körperlichen Verfall vor Augen: hier Syndrome, dort Syndrome, auch die Blasenschwäche lässt es immer zur falschen Zeit tröpfeln. Rat gibt die Apotheker-Rundschau: „Vermeiden Sie unpassende Momente“.

      Mit verbalen Flic-Flacs interpretiert der Comedian seine Besuche bei Quacksalbern und Heiltherapeuten, bei Aerobic-Freaks im Fitnessstudio und im Massagesalon mit interessanten Mitarbeiterinnen. Höhepunkt ist der Besuch im Yoga-Zentrum. Er solle in den „Hund gehen“ bestimmt die Großmeisterin. Doyle: „Ich habe gebellt, das Bein gehoben – nix hat geholfen, kein Wunder, wenn alle anderen Yoga-Schüler gerade im Frosch waren.“

      Nach Doyles Parforceritt durch die Welt der Schmerzen ist sein Publikum endlich reif für eine Therapie gegen Zwerchfellerschütterungen, Dr. Doyle rät zum Weglachen, das hilft, ohne den Arzt oder Apotheker zu fragen.

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        Warnung vor den dunklen Seiten des Kapitalismus

        Von

        1046780_1_teasersmallnocrop_5281503024f96Berne. Wirtschaftswunder, blühende Landschaften und Exportüberschüsse: Wer die deutsche Wirtschaft vor allem damit verbindet, übersieht, was sich hinter den Kulissen abspielt. Sagt zumindest Hans See, ehemaliger Professor an der Fachhochschule Frankfurt. See hat es sich zur Aufgabe gemacht, die dunklen Seiten der Wirtschaft auszuleuchten. Was er dabei entdeckt hat, berichtete er jetzt im Rahmen der Berner Bücherwochen in der Kulturmühle.

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        Die Wirtschaft leistet massiven Widerstand gegen jegliche staatliche Einmischung in ihre Geschäftspolitik – so die Hauptthese des 79-Jährigen. Notfalls weiche sie in rechtsfreie Räume oder in Diktaturen aus. Oder neutralisiere mittels Bestechung oder Erpressung missliebige öffentliche Kontrollen, Gesetze und gewerkschaftliche Mitbestimmungsrechte.

        Sie erinnerte an die Siebzigerjahre, als Mercedes-Benz in Argentinien von der Bekämpfung störender Betriebsräte durch die Militärs profitiert habe, und erzählte von einem Unternehmen, das seine Produktion von China zurück nach Deutschland verlegt habe. Der Grund: Die zunehmenden Rechte chinesischer Arbeiter, Streiks und höhere Umweltauflagen hätten die Wettbewerbsvorteile inzwischen aufgezehrt.

        Oft sei das Ausweichen des Kapitals in rechtsfreie Räume jedoch gar nicht nötig, so See, da die Gesetzgebung der bürgerlichen Demokratien von Beginn an auf die Interessen der Besitzenden ausgerichtet worden sei. Ausdruck davon sei das Dreiklassenwahlrecht in Preußen, das der kleinen Gruppe der großen Steuerzahler von vornherein den größten Einfluss im Parlament sicherte. Die Mittel, sich Vorteile zu sichern, haben sich nach Meinung des Referenten wesentlich verändert. Die Zerstörung des Urwalds in Brasilien zulasten der Einheimischen und zum Wohle westlicher Konzerne geschehe beispielsweise völlig legal. Nach den Gesetzen legal, aber in Wirklichkeit „das gigantischste Wirtschaftsverbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg“ war für Hans See die Arbeit der Treuhandanstalt, die die Betriebe der ehemaligen DDR abwickelte.

        Weitere Beispiele für die kriminelle Energie der Konzerne sieht der Referent in illegalen Rüstungsexporten und Geldwäsche. See berichtete von Steuer- und Zollfahndern, die nach der Aufdeckung solcher Fälle versetzt oder für psychisch krank erklärt wurden. Menschen wie der Soldat Bradley Manning, der zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er geheime Dokumente über die Vergehen von USA-Soldaten im Irak an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weiterreichte, und auch Edward Snowden sind für Hans See tragische Helden – sie bekämen die ganze Macht des Systems zu spüren. Die FDP-Politiker Flick und Lambsdorff hätten dagegen nach ihrer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der illegalen Parteispendenpraxis der Siebzigerjahre erst richtig Karriere gemacht.

        Diese und weitere Beispiele, auf die er vor gut 20 Zuhörern in Berne einging, sind Sees Ansicht nach Belege für ein kriminelles Wirtschaftssystem. „Der Untergrundkapitalismus ist hochgefährlich, weil er außer Kontrolle ist“, warnte der Referent. Denn Leidtragende seien die Demokratie und die Menschen, die nichts als ihre Arbeitskraft besäßen.

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